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Mittwoch, 26. Juni 2013

Das hält kein Jahr (2013)



Was passiert eigentlich, nachdem das Paar sich am Ende des Films herzergreifend in den Armen liegt oder heiratet? Genau diese Frage, probiert der Film zu klären. „Das hält kein Jahr“ beginnt nämlich dort wo alle anderen Filme enden; bei der kitschigen Hochzeit inklusive peinlichem Trauzeugen, feiernden Gästen und rührenden Reden. Dass es bei den glückseligen Gefühlen nicht bleibt, ist jedem klar und so widmet sich der Film unter der Regie von Dan Mazer (Borat, Ali G. Show, Brüno, Der Diktator) einem eher ungewöhnlichen Thema: Den Tücken des Lebens als frischverheiratetes Paar.

Bei Nat und Josh ging alles ziemlich schnell,; Verliebt, Verlobt und jetzt Verheiratet – und das alles innerhalb von neun Monaten. Also ist es kein Wunder das Familie, Freunde und Bekannte alle sehr skeptisch sind und spekulieren hinter vorgehaltener Hand wie lang diese Ehe wohl hält und schließen Wetten darauf ab. Und als hätte all das unken gefruchtet, geht es bei dem frisch verheirateten Paar schnell bergab: Während Nat zielstrebig und diszipliniert an ihrer Karriere arbeitet, hängt Josh lieber ab um Ideen für seinen neuen Roman zu bekommen. Als dann auch noch der attraktive Guy in Nats Leben tritt und ihr eindeutige Avancen macht, kommen immer mehr Zweifel auf. Doch trotz allem will das Ehepaar um seine Liebe kämpfen und vor allem das kritische erste Jahr überstehen…

Angesichts der enorm hohen Scheidungsrate ist das Thema von „Das hält kein Jahr“ sicherlich am Puls der Zeit, die Frage ist nur, ob Mazer adäquat damit umgeht. Offenbar wollte er auf einer ernsten Ebene viele witzige Elemente einbauen und entgegen aller üblichen Regeln die Trennung des Paares als Happy End fungieren lassen. Das funktioniert zeitweise ganz gut (in den ersten 35 Minuten), ist unterhaltsam und zeitweise richtig lustig. Aber andere Dinge funktionieren wieder nicht. Manche Figuren, wie das befreundete Ehepaar (gespielt von Minnie Driver und Jason Fleyming), dass sich augenscheinlich nur Hass entgegenbringt, eigentlich aber doch von ganzem Herzen liebt, sind viel zu überspitzt. Der Trauzeuge Danny ist ebenfalls eher nervig mit seinen von Anzüglichkeiten gespickten Monologen (Darsteller Stephen Merchant ist im echten Leben Komiker), bei denen man vergebens auf eine echte Pointe wartet. Dazu kommen weitere Randfiguren, wie die Paartherapeutin, die selbst die dicksten Beziehungsprobleme hat. So etwas hat man schon so oft gesehen, dass es nicht mehr sonderlich erfrischend komisch, sondern eher nervig in seiner Übertreibung wirkt. 

Was bei der lustigen „Comedy-Romanze" am Ende allerdings auf der Strecke bleibt, ist die Romantik selbst. Dan Mazers Umkehrung des Genrekonstrukts sieht es nämlich vor, dass der Zuschauer der Trennung des Paares entgegenfiebern soll, weil diese den Weg für neue Beziehungen öffnet. Es fällt allerdings schwer sehnlichst auf eine Scheidung zu hoffen und sich gleichzeitig emotional auf die Suche nach dem neuen Glück einzulassen – auch weil Mazer dem Zuschauer die neuen Konstellationen zu platt unterschiebt und die Kombinationen Nat/Guy und Josh/Chloe zu überdeutlich als ideale Paare verkauft. So kehrt Mazer zwar die Genreregeln um, will aber trotzdem eine Romanze erzählen. Romantisch ist „Das hält kein Jahr" aber zu keiner Sekunde. Die Gags (gute & schlechte)kommen in hoher Dichte und mit einem geradezu erstaunlichen Abwechslungsreichtum daher, dass es leicht fällt, den romantischen Teil der Beziehungskomödie und die simple Figurenkonstruktion zu ignorieren. Nur die Aussage: Liebe ist vergänglich und wer enttäuscht wird, sollte sich schnellstens was neues suchen, damit es nicht so weh tut. Ist dünn und eine fragwürdige Quintessenz.

4 von 10 Punkten

Montag, 20. Mai 2013

Kiss Kiss Bang Bang

Da gleich noch zwei Kinobesuche auf der Tagesordnung stehen habe ich mir gestern mal, Shane Blacks Erstlingswerk als Regieseur Kiss Kiss Bang Bang angeschaut, da einer der Filme die ich nachher schauen werde Iron Man 3 ist, wo er für Drehbuch und Regie verantwortlich war. Bisher war Shane Black nur als Drehbuchautor erfolgreich tätig; u.a. entspringt Lethal Weapon 1-4, Las Boy Scout und Last Action Hero aus seiner Feder. Die allesamt an der Kinokasse efolgreich waren.
  Sehr ungewöhnlich! Kiss Kiss Bang Bang ist wahrlich ein sehr ungewöhnlicher Film. Erwartet hatte ich eine Art Buddymovie im „Lethal Weapon“-Stil, doch gesehen habe ich eine Schwarze Komödie mit starken Film Noir-Anleihen. Ich war wirklich überrascht, wie ideenreich und ungewöhnlich Shane Black sein Regiedebüt inszeniert hat.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Kleinganove Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) erzählt, der nach einer Verwechslung plötzlich mitten im Interesse von Hollywood steht. Dies ist allerdings nur der Auslöser für ein paar wilde Eskapaden, die Harry fortan mit seinem neuen Partner, dem schwulen Privatdetektiv „Gay“ Perry (Val Kilmer), zu bestreiten hat. Fortan gibt es unzählige Leichen, eine Femme Fatale, sowie diverse Wortgefechte, die an Skurrilität teils nicht zu überbieten sind.
„Kiss Kiss Bang Bang“ macht Spaß, keine Frage. Doch irgendwie verrennt sich der Film meiner Meinung nach etwas in seinen unzähligen Ideen, die Shane Black hat(te). Die Geschichte wartet mit Wendungen auf, die man aufgrund des hohen Tempos kaum im Stande ist, wahrzunehmen. Zudem befindet man sich beinahe im Minutentakt an neuen Locations, die ebenso schnell wieder mit neuen Figuren aufgefüllt werden. Einerseits entsteht dadurch eine wirklich mitreißende Dynamik, doch andererseits kann man das Handeln der Identifikationsfiguren nicht wirklich nachvollziehen, wodurch eine Distanz zu ihnen entsteht. Diese wird durch die gewählt Erzählform noch größer. Harrys Voice Over beschränkt sich nicht nur auf die Geschichte an sich – nein, er spricht den Zuschauer direkt an, spult den Film vor und zurück und macht klar, dass man hier nur einen Film sieht. Einerseits wirklich etwas neues und auch amüsant, doch leider wird hierbei völlig die Magie des Eintauchens in die Geschichte zerstört. Ich denke weniger wäre hier mehr gewesen!

Shane Black hat mit „Kiss Kiss Bang Bang“ einen wirklich unterhaltsamen und mit bösen Späßen angereicherten Film geschaffen. Doch leider hätte man sich mehr auf die Chemie zwischen den Charaktern und der Geschichte an sich verlassen sollen, dann wäre aus dem Film eine rundere Sache geworden.  
6 von 10 Punkten

Montag, 18. Februar 2013

7 Psychos



UK/USA 2012

Marty (Colin Farrell), erfolgloser Autor in Hollywood, braucht dringend ein paar Anregungen für sein neues Drehbuch, denn bisher steht nur der Titel. Durch seinen besten Freund Billy (Sam Rockwell) bekommt er allerdings mehr Inspiration als ihm lieb ist: Als Hundekidnapper mischt Billy die kriminelle Szene durch den Diebstahl eines Shih Tzu ordentlich auf. Sein Pech: Es ist der heißgeliebte Schoßhund des durchgeknallten Gangsters Charlie (Woody Harrelson). Bevor Marty sich versieht, steckt er mitten in seinem eigenen Drehbuch und will nur noch eins: Überleben! Und seine Geschichte zu Ende schreiben...
Nach dem weltweiten Erfolg seines Regiedebüts „Brügge sehen... und sterben?“  kommt nun 7 Psychos, der neue filmische Coup von Oscar-Preisträger Martin McDonagh, ins Schauspielhaus. Im September 2012 feierte der Film in der Session Midnight Madness beim Internationalen Filmfestival in Toronto seine Weltpremiere und entwickelte sich dort vom Geheimtipp zum Publikums- und Kritikerliebling. McDonagh inszenierte seine schwarze Komödie mit bösen, witzig-scharfen Dialogen und kultigen Schauspielstars wie Colin Farrell (Brügge sehen... und sterben?), Sam Rockwell (Iron Man 2) und Christopher Walken (Catch Me If You Can). In weiteren Rollen sind Woody Harrelson (Zombieland), Abbie Cornish (Sucker Punch), Musiker-Legende Tom Waits (The Book of Eli) und Olga Kurylenko (James Bond 007 – Ein Quantum Trost) zu sehen.
"7 Psychos"  ist ein Film, der von professionellen Filmkritikern sofort mit Tarantino-Filmen verglichen wurde, nur um ihn anschließend abzuwerten mit den Worten, erreiche qualitativ nicht an einen Tarantino-Film heran. Doch ich finde, damit tut man diesem Film unrecht. "7 Psychos" hat meiner Meinung nach gar nicht so viel mit Quentin Tarantino zu tun, denn er zeigt Brutalität nicht gewaltverherrlichend, sondern so wie sie in der Realität eben wirklich ist, nämlich einfach nur brutal. Man sollte sich nicht abschrecken lassen und "7 Psychos" unvoreingenommen begegnen.
Was mir an dem Film gut gefiel, war wie die sieben Psychos dem Zuschauer präsentiert wurden. Anstatt einfach alle nur der Reihe nach zu präsentieren wie bei der Vorstellungsrunde einer Gruppentherapie, hat man da ein paar überraschende dramaturgische Wendungen eingebaut. "7 Psychos" ist ein Film, der die Lachmuskeln all jener ganz schön beanspruchen kann, die einen Sinn für schwarzen Humor mitbringen.
Keine Frage, die Idee zu „7 Psychos“ ist klasse und wartet mit ein paar herrlich absurden Ideen auf. Dennoch wird man die meiste Zeit das Gefühl nicht los, dass hier viel inszenatorischer Lärm um Nichts gemacht wird. Die Story hat Potenzial, aber McDonagh weiß es einfach nicht voll auszuschöpfen. Auf einen gelungenen Gag kommen fünf, die ins Leere laufen. Auf einen coolen One-Liner kommen fünf, die eher peinlich als cool sind. Auf eine schräge Dialogsequenz kommen fünf, die absolut belanglos sind. McDonagh wirft sich irgendwie permanent selbst Knüppel zwischen die Beine, so dass seine Story nie ihr ganzes Potenzial ausschöpfen kann, obwohl dieses klar erkennbar ist. Darüber hinaus ist das Ganze so offensichtlich tarantinoesk inszeniert, dass McDonagh im direkten Vergleich eigentlich nur verlieren kann, denn er ist eben nicht Tarantino, der sowohl mit „Pulp Fiction“ als auch mit „Reservoir Dogs“ eindrucksvoll bewiesen hat, dass er der Meister der absurd-genialen Gangsterdialoge ist. Inszenatorisch erinnert mich „7 Psychos“ sehr an McDonaghs Erstling „Brügge sehen…und sterben?“. Auch hier hatte man immer das Gefühl, dass der Film nicht so richtig aus der Hüfte kommt und mehr sein will, als er letztendlich ist. 
Die Story hat eindeutig Längen, die zwar nicht wirklich langweilig sind, aber dennoch erkennen lassen, dass man auf viele von ihnen gut hätte verzichten können. Und auch, wenn hier eindeutig ein roter Faden zu erkennen ist, ist dieser eher zerfasert als straff gespannt. Man merkt McDonagh an, dass er so gerne witzig und kreativ und abgefahren sein möchte, aber so richtig gut gelingt ihm das nur an wenigen Stellen von „7 Psychos“. Viel öfter ertappt man sich leider dabei, dass man sich fragt, was dieses ganze rhetorische Füllmaterial im Film zu suchen hat und warum nicht alles so witzig ist, wie es McDonagh an einigen Stellen definitiv gelungen ist. Immer mal wieder blitzt McDonaghs Qualität zum Absurden durch, aber es gelingt ihm nicht, damit 110 Minuten zu füllen. Die einzelnen Fragmente (durchgeknallte Figuren, abgefahrene Storys, absurder Humor) wollen sich einfach nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen, so dass „7 Psychos“ leider nicht mehr ist, als eine mehr oder weniger gelungene Aneinanderreihungen von Seltsamkeiten unterschiedlicher Qualität. Da hilft auch der inszenatorische Kniff, Billys verrückte Geschichten als kleine Filme im Film unterzubringen, nichts, da McDonagh hier die gleichen Fehler passieren wie in seinem Haupt-Plot. Darüber hinaus fügen sich die episodisch eingestreuten kurzen Gewalteruptionen ebenfalls nicht so richtig in die Story, sie sind zwar lustig, aber auch so übertrieben blutig, dass sie den ein oder anderen definitiv vestören könnten.
Herausgekommen ist ein guter und sehenswerter Film, der auch von seinen lustigen und teilweise verrückten Dialogen lebt und locker als schwarze Komödie durchgeht. In den Filmszenen, in denen Billy seinem Freund Marty beim Verfassen seines Drehbuchs behilflich ist, hat man noch einen bitterbösen Kommentar zur Gewaltdarstellung in Hollywood-Filmen abgeliefert, der einem ganz schön im Gedächtnis haften bleibt.

Am Ende bekommt man sogar das aberwitzige Kunststück hin, eine Moral in eine ansonsten morallose Geschichte einzubauen: Und die Moral von der Geschicht', dass Du nicht taugst zum Psycho, das denk' nicht!

8 von 10 Psychos

Dienstag, 8. Januar 2013

Scott Pilgrim Gegen Den Rest Der Welt – 3,2,1…FIGHT!

Scott Pilgrim, 22, Loser. Aktuelle Freundin: Knives Chau, 17, Schülerin. Seine Traumfrau: Ramona Flowers. Amerikanerin, anders. Scott will sich Ramona nähern. Problem: Ihre 7 Ex-Lover. Im Grunde geht es in Scott Pilgrim Gegen Den Rest Der Welt lediglich um diese Situation. Was würde man für die Liebe alles machen?< In diesem Fall ist es Scott Pilgrim, der, um mit Ramona eine Beziehung führen zu können, ihre sieben Ex-Lover besiegen muss. Umhüllt wird dieser Weg von einem Band-Wettbewerb bei dem Scotts Band ,,Sex Bob-omb” teilnimmt. Im Verlauf des Wettbewerbs stellen sich nun die Ex-Lover in seinen Weg, erst überrascht, dann entschlossen muss Scott sie einer nach dem anderen besiegen, Level pro Level bis zum Endgegner, für das ersehnte Ziel: Ramona.


 Auf den ersten Blick ist Scott Pilgrim ein Film, der bestimmt nicht jedem gefallen wird. Es ist die Umsetzung in Filmform durch Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz) der gleichnamigen Comic-Reihe von Bryan Lee O’Malley, welche schon in den Comic-Sphäre ein hohes Ansehen erreicht hat. Man könnte sagen, dass dieser Film zugeschnitten auf eine junge Generation ist, die sich von der modernen Technologie gerne und oft blenden lässt, die von den vielen Lichtern nicht genug bekommt und sich in den rechteckigen Bildschirmen verlieren kann. Es sind Menschen, die gerne Videospiele spielen, Comics lesen, sich darin wohlfühlen, aber dafür eine Sparte darstellen, die meistens unter einem negativen Licht steht. Kurz: Die Rede ist von Nerds. Es ist die The Big Bang Theory Generation sozusagen. Dass das nicht ganz so richtig ist, wird sich noch herausstellen. Primär werden diese Fans natürlich den  meisten Spaß an diesem Film haben, also die, die den Comic kennen und die Atmosphäre darin lieben. Ich für meinen Teil kenne die Comic-Reihe nicht, konnte mich dennoch für diesen Film ungemein begeistern. Der Grund ist einfach: Scott Pilgrim macht unheimlich Spaß, egal, ob man die Comics kennt oder nicht, gleichgültig, ob man Videospiele spielt oder nicht. Scott Pilgrim ist ein Film, der potentiell einfach jedem Gefallen kann. Es ist eine einfache Geschichte, es sind sehr eigenständige Charaktere, der Humor ist originell und das alles wird audiovisuell in allen Belangen perfekt auf die Leinwand gebracht.

Ob die Adaption auf die Leinwand wirklich passend ist und jeder Fan der Reihe damit zufrieden sein wird kann ich nicht beurteilen. Das Resultat ist dennoch aus vielen Gründen gelungen. Fängt man mit der Optik an, dann wird man sehr schnell feststellen, dass man sich nicht in der Realität befindet. Man ist in einem Comic und in einem Videospiel, mit Lichtern, Effekten und ausgeschriebenen Sounds. Diese Grundlage bietet den Machern eine schier unglaubliche Menge an Freiraum der Darstellung. Man kann die Bewegungen so rasant gestalten wie man sie haben möchte oder die einfachsten Bassgriffe als die größten Erdbeben wirken lassen. Es sind einfach Bilder, die man so noch nicht gesehen hat, vielleicht in einem kleineren Maße, aber nicht so. Manche Einstellungen, manche Bilder hätte ich gerne zum Kaffee eingeladen, verführt und ihnen dann nach angemesserner Zeit einen Heiratsantrag gemacht. Es sind großartige Aufnahmen, die einem Videospiel-Gemälde ähneln. Kaum zu glauben, aber auch die Videospielwelt ist wahrhaftig schön anzusehen. Es bleibt noch nicht einmal bei einer Videospielwelt. Es ist auch die normale Welt, die sich damit vermischt und eine herrlich grotesk, schrille Optik bietet.

Auditiv werden die Bilder mit den genialsten Videospielsounds unterstützt, angefangen mit dem Retrosounds der alten Konsolen bis hin zu der brummigen Stimme, die in den Kampfspielen das ,,K.O.!” herausposaunt. Die Sounds sind nuanciert und perfekt eingesetzt, erdrücken die Atmophäre nicht und bilden stattdessen eine Grundlage für das Gefühl, welches dieser Film bietet. Es ist eine Atmosphäre, die sich rasant ändert, hyperaktiv und schrill ist, aber nie zu einem overkill führt. Es bleibt kurzweilig und es bleibt spaßig. Der Film geht nun nicht wirklich lange, aber nach einiger Zeit hab ich mich gefragt, wie sie denn noch diesen und jenen Ex-Lover hineinpacken wollen, so viel ist schon in den letzten Minuten geschehen. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht gleich andere Produktionen aus dem Boden entspringen, die die gleiche audiovisuelle Perfektion hinbekommen wollen, denn das wird nicht gelingen. Scott Pilgrim könnte man als kleinen Onehitwonder-Film ansehen, den man nicht nachmachen kann und auch nicht nachmachen sollte. Es wird ein billiger Abklatsch, wenn man es versuchen sollte. Denn neben dieser audiovisuellen Rausch sind auch die Charaktere, der Humor, die Dialoge bis in die letzte Minute originell.


Michael Cera, der unbeholfene Junge, der immer die gleiche Rolle zu spielen scheint, kann hier endlich in der Rolle des Scott Pilgrim mal die Sau rauslassen. Er ist natürlich immer noch dieser Junge, der leise und undeutlich spricht, vor Mädchen schüchtern ist, aber dieses Mal ist er dafür auch noch ein ziemlich großer Rockstar und haut, wenn es drauf ankommt, den Ex-Lovern auf die Fresse. Es ist herrlich ihn endlich in so einer Rolle zu sehen. Es passt zu ihm und man kann ihm seinen ganzen Charakter abkaufen. Passend dazu ist natürlich auch Mary Elizabeth Winstead, die seine Traummädchen Ramona spielt, für die sicherlich jedermann die Aufgabe annimmt, deren sieben Ex-Lover zu besiegen, um mit ihr zusammen sein zu können. Beide Schauspieler sind noch trotz ihrer beeindruckenden Vita noch am Anfang ihrer Karriere und können durch solche Rollen andere Seiten zeigen, die man von ihnen zuvor noch nicht gesehen hat.

Grandios sind nicht nur die beiden. Auch der Einsatz von etlichen Cameos bzw. einigen weiteren namenhaften Schauspielern versüßen diesen Film um einiges. So spielt Chris Evans z.B. einen Ex-Lover, der – als Actionstar üblich – erstmal seine Stuntdoubles gegen Scott antreten lässt. Daneben gibt es noch Anna Kendrick (Up In The Air), die Scotts Schwester spielt; Kieran Culkin, Scotts schwuler Mitbewohner; Jason Schwartzman, Ramonas Ex-Lover Gideon; Brandon Routh (Superman Returns, Chuck), den man in einer der witzigsten Rollen als Veganer in diesem Film zu sehen bekommt; Brie Larson (United States Of Tara), so wie Thomas Jane in einem Cameo. Es ist ein grandioser Cast, bei dem wirklich alles harmoniert.

Scott Pilgrim Gegen den Rest der Welt ist in jeder Hinsicht einfach eine positive Überraschung gewesen. Der Humor ist anders und fixiert sich nicht wie die typischen, plumpen Komödien auf Drogen und Geschlechtsorgane, er ist anders. Und besser. So bestellt Scott z.B. ein Paket, weil er weiß, dass Ramona die Lieferungen ausführt und wartet nach dem Klick am Computer im Schneidersitz vor der Haustür. Es ist eine zwanglose, lockere Atmosphäre, eine einfache Aktion, aber so herrlich skurril, dass das Lachen vorprogrammiert ist. Aber nicht nur der Humor ist genial, sondern auch die Action. Die Kampfszenen sind wunderbar choreographiert und könnten manchem anderen Actionfilm ohne Probleme das Wasser reichen, wenn nicht sogar übertrumpfen.


Ich kann nur schwer etwas gegen diesen Film schreiben. Man hat den Handlungsstrang mit Scotts Ex Envy (Brie Larson) mit der Zeit etwas vernachlässigt, aber das merkt man erst, wenn der Rausch vom Film abgeklungen ist, und der dauert lange an. Die Story ist einfach gestrickt, wie ein Videospiel eben. Gegner, die man bekämpfen muss bis zum Endgegner. Das Ganze ist natürlich vorhersehbar, aber Wright hat bestimmt kein vielschichtiges Werk gewollt. Als Macher von Shaun of the Dead und Hot Fuzz ist die Story offensichtlich nicht der Punkt, worauf man sich konzentrieren sollte, besonders nicht bei Scott Pilgrim. Es ist eine Liebesgeschichte und ein rasantes, aufregendes, spaßiges Abenteuer. Es ist ein lebendig gewordener Comic. Es ist das beste Videospiel, das keines ist. 

9,5 von 10 Punkten

15 Gründe warum Inception der beste Film des Jahrzehnts ist*

1. Inception ist von Christopher – fucking – Nolan!

2. Wenn man gerade meint, es gehe nicht tiefer, kommt Leo und sagt: Es geht immer noch tiefer!

3. Zwei Traumebenen? Das ist was für Pussies. Drei? Ach, geh weg. Um in den Genuss zu kommen Limbo zu tanzen, muss man tiefer, viel tiefer.

4. Nolan ist so ein Draufgänger, der braucht kein Intro, der fängt seinen Film direkt an! Nach dem Motto von Barney Stinson über sein ,,Get Psyched”-Mix: ,,people often think a good mix should rise and fall, but people are wrong. It should be ALL RISE, baby!”

5. Nolan ist so ein gewitzter, frecher Kerl, der braucht kein klares Ende. Die Zuschauer können sich selbst alles zusammenreimen!

6. Inception lässt schräges (!) Wasser blubbern! Es fängt so an:

 7. Und endet in einem unglaublichen Finale, worüber man noch tagelang staunen wird!

8. Inception ist der stilsicherste Film des Jahres. Es ist unglaublich wie gut alle angezogen sind!

9. Der ,,Kick” ist die beste, aufregendste ,,Idee”, die man in nächster Zeit sehen wird.

10. Die zwei Kicks inklusive der freie Fall sind die spannungsgeladesten Minuten, die man in nächster Zeit zu sehen bekommen wird.

11. Das Brummen von Hans Zimmer wird der neueste Trend in vielen kommenden Soundtracks.

12. Es gibt wieder einmal schöne und witzige Bilder.

13. Jeder will nun ein Totem haben, um sicher zu gehen, dass man nicht gerade träumt. Sicher ist sicher.

14. Die 148 Minuten verfliegen wie im Traum.

15. Inception ist ein Traum. Ein herausragender Traum, an den man sich – nicht wie sonst – noch lange zurückerinnern kann und dann immer noch nicht fassen kann, wie gut er war.
*Alles sehr ernst gemeint. Wer mir nicht Recht gibt, den verbanne ich. Inception is serious business.


Dienstag, 14. August 2012

Sherlock (Staffel 2)

Drei Episoden sind ja eigentlich keine Staffel, aber die Briten sehen das anders. Immerhin bot jede der Episoden 90 Minuten Unterhaltung. Und die fiel wie schon in der ersten Season größtenteils schlicht und ergreifend brillant aus. Charismatische Figuren wie Irene Adler (Lara Pulver) und Jim Moriarty (Andrew Scott), die akribische, verwirrende, aber auch trockenem Humor durchsetzte Ermittlungsarbeit von Holmes und Watson und die großartig ausgetüftelten Geschichten, in denen jedes Puzzleteil am Ende zu einem großen Ganzen zusammengeführt wird, kennzeichnen auch diesmal „Sherlock“. Bleibt die mittlere Folge, die schon fast traditionell von der Qualität her abfällt. „The Hounds Of Baskerville“ bleibt gerade von der Story und ihrer Auflösung her doch deutlich zurück, da retten auch Cast und der restliche Rahmen wenig. Dies vermasselt letztlich leider knapp die Höchstwertung. Auch Genies können sich also noch verbessern. „Sehr Gut“

Freitag, 8. Juni 2012

Wreck-It Ralph

 

Hier der Trailer zum neuesten Disney Animationsfilm „Wreck-It Ralph“, in dem ein Charakter aus einem alten (von Rampage inspirierten) 8-Bit-Game in einen New School Egoshooter flüchtet: „An 8-bit video-game character attempts to shed his bad-guy image by escaping into a popular first-person shooter, but inadvertently wreaks havoc in the video-game universe by freeing a digital villain.“
Ich liebe die ganzen Anspielungen auf Games und Konsolen-Generationen als unterschiedliche „Dimensionen“, ob Ralph auch als Film taugt, werden wir sehen.

Django Unchained Teaser Trailer



Hier der erste Trailer zu Trantinos neuen der sich "Django Unchained" nennt. Kommen wird er im Winter '12 / Frühjahr '13.

Freitag, 10. Februar 2012

Drive


(USA 2011)



“If I drive for you, you give me a time and a place. I give you a five-minute window, anything happens in that five minutes and I’m yours no matter what. I don’t sit in while you’re running it down. I don’t carry a gun… I drive.” Wer nach diesen ersten Sätzen glaubt, er befinde sich in einem Autofahrfilm oder standardisiertem Heist- Movie, könnte falscher nicht liegen. „Drive“ ist so ziemlich alles, von poetisch bis ultrabrutal, nur eines ist dieser Film nicht, und das ist konventionell. 

Gleich zu Beginn schreibt „Drive" Filmgeschichte. Wer wissen will, warum Nicolas Winding Refn beim Filmfestival in Cannes den Regiepreis gewann, braucht sich nur die Exposition seines furiosen Action-Dramas anzusehen. Der Däne zelebriert eine epische Verfolgungsjagd, die vor Intensität fast die Leinwand zum Bersten bringt – und das ganz ohne überkandidelte Crashs und ohne zu Schrott gefahrene Karossen. Wer hier durch andere Filme an Schnitte in Lichtgeschwindigkeit und explodierende LKWs in Slow-Motion gewöhnt ist (einen freundlichen Gruß an Herrn Michael Bay), sollte dann jetzt lieber abschalten! Stattdessen setzt Refn auf handgemachte und entsprechend realistische Stunts, dazu gönnt er sich raffinierte, stilvolle Zeitlupen – eine unfassbar gut inszenierte Eröffnung. Der Driver verzieht nach der Entdeckung durch die Polizei keine Miene und entkommt durch das virtuose Zusammenspiel von kühlem Kopf und durchgetretenem Gaspedal. Wenn Ryan Gosling mit dem Fluchtauto vor der roten Ampel steht, während die Polizei direkt gegenüber ebenfalls auf grün wartet, steigt die Spannung dermaßen an, dass man sich als Zuschauer genauso verkrampft, wie die beiden Einbrecher auf der Rückbank. Auch hier wird schon einiges über den Hauptcharakter verraten. Selbst in einer solchen brenzligen Situation verzieht er keine Miene und kaut lässig auf einem Zahnstocher herum, nur um dann mit perfekten Fahrkünsten endgültig aus dem Scheinwerferlicht der Polizei zu verschwinden. Nach diesem grandiosen Einstieg entwickelt sich eine Geschichte um Geld, Mittelsmänner der Mafia und natürlich den Driver. Ryan Goslings Figur ist zweifellos mysteriös, aber interessant. Auf die Frage was er denn tue, antwortet der Mechaniker/Stuntman/Fluchtwagenfahrer: „I drive.“ Und das tut er. Die Handlung ist so aufgebaut, dass es immer wieder zu heftigen Gewaltausbrüchen kommt. Die Gewalt in „Drive“ ist in nie cool, sie kommt meistens unerwartet und dann sehr sehr hart. Selbst wenn man schon einiges an Brutalität in Filmen gesehen hat, die kurzen aber prägnanten Szenen in „Drive“ lassen einen als Zuschauer immer wieder zusammenzucken. Auch die Präzision des Drivers entsetzt dabei. Der normalerweise sehr ruhige Charakter scheint völlig kompromisslos, wenn es um Leben und Tod geht. Hat man eben noch eine leidenschaftliche Kussszene im Fahrstuhl gesehen, so wird dort Sekunden später jemand auf brutalste Weise umgebracht. Und schließlich endet „Drive“ in einem furiosen blutigen Finale, dem man sich nicht entziehen kann. Die darstellerischen Leistungen sind fantastisch. Alle Schauspieler passen in ihre Rollen und spielen mit einer Intensität, dass man so sehr in die Atmosphäre des Films gezogen wird, wie selten zuvor. Allen voran Ryan Gosling, der es schafft auch ohne große Worte sämtliche Gefühle und Emotionen seiner Figur auf die Leinwand zu bringen. Um es kurz zu machen: die perfekten schauspielerischen Leistungen, die grandiose Musik und der wirklich großartige 80er Jahre Style machen „Drive“ jetzt schon zu einem nahezu perfekten Kultfilm. 

Alles was bleibt ist eine wichtige Frage. Was war mit der Academy los? Oder, um es mit den Worten von Russell Crow zu sagen: „Ryan Gosling didn't get an Academy nomination? There's some fucking bullshit right there.“

9 von 10 Punkten

Die drei Musketiere

(Deutschland/Frankreich/England 2011)


Großes Starkino aus Deutschland, gedreht für den internationalen Markt? Das war in den vergangenen drei Jahrzehnten untrennbar mit dem Namen Bernd Eichinger verbunden. Der überraschende Tod des ambitionierten und global denkenden Produzenten im Januar 2011 hat eine Riesenlücke hinterlassen, die sich bereits in der ihm gewidmeten Neuverfilmung der „Drei Musketiere" bemerkbar macht. Denn gerade in seinen opulenten Romanverfilmungen wie „Der Name der Rose", „Das Geisterhaus" oder „Das Parfüm" achtete Eichinger darauf, dass neben einem erstklassigen Cast auch renommierte Regisseure wie Jean-Jacques Annaud, Bille August oder Tom Tykwer hinter der Kamera standen. Mit der Alexandre-Dumas-Adaption wurde dieser Weg nicht mehr weiter beschritten – mit fatalen Konsequenzen. Ausgerechnet Oberflächen Filmer Paul W.S. Anderson wurde die ehrenvolle Aufgabe übertragen, aus dem ausgelutschten Stoff etwas Frisches, Zeitgemäßes zu zaubern. Im Presseheft behauptete der umstrittene „Resident Evil"-Regisseur noch kühn, „dass die Arbeit an einem historischen Film kaum anders wäre als die Arbeit an einem Science-Fiction-Film." Wenn er sich da nicht getäuscht hat.

Wie die meisten Anderson-Filme ist auch „Die drei Musketiere“ laut, auf den Effekt ausgerichtet und uramerikanisch, selbst wenn es um französische Helden geht. Das amerikanische Kulturverständnis wird in der Auftaktszene nach Italien gebracht, in der die drei Musketiere Athos (Matthew Macfayden), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) zusammen mit Milady de Winter (Milla Jovovich) als eine Art Ninja-Spezialeinheit Baupläne Leonardo Da Vincis klauen. Wenn dann die Palastwache anrückt, dann sprengt man sich schon mal den Weg zu den Kanälen Venedigs frei und zerstört damit die restlichen Da Vinci-Schriften, Hauptsache man hat die Pläne. Andrerseits bricht man bei dem Raub einer von Til Schweiger gespielten Figur die Nase, also kann es gar nicht so verkehrt sein.

Als Milady die Musketiere jedoch betäubt, nach England überläuft und die Luftschiff-Baupläne an den Duke von Buckingham (Orlando Bloom) übergibt, da ist die Kacke am Dampfen: Die Musketiergarde wird aufgelöst, das Trio vegetiert dahin, während Kardinal Richelieu (Christoph Waltz) starken Einfluss auf den kindlichen König nimmt. Als dann noch D’Artagnan (Logan Lerman) in die Stadt einreitet und innerhalb kürzester Zeit alle drei Musketiere zum Duell fordert wird klar: Trotz Luftschiffen und Spezialeinsätzen orientiert sich Anderson im Grunde doch ein klein wenig an der weltbekannten Romanvorlage.

Andersons Krawallspekatkel funktionieren mal mehr, mal weniger gut, vielleicht am besten bei seiner enthemmten Testosteron-Orgie „Death Race“, doch hier wäre es wohl besser gewesen die Dumas-Vorgaben über Bord zu schmeißen und kaum mehr als die Figuren zu übernehmen. Besonders ekelhaft ist die Anbiederung an der „Twilight“-Publikum jedoch in der Figur D’Artagnans, der immer aussieht als käme er gerade aus dem nächsten Clearasil-Werbespot angeritten, dessen (vollkommen keusche) Romanze mit Constance (Gabriella Wilde) noch mit ein paar Pseudo-Screwball-Wortgefechten aufgepeppt wird. Bei der Bösewichtsgestaltung geht „Die drei Musketiere“ tatsächlich in die Vollen, hat mit Richelieu, Buckingham, Milady und Rochefort (Mads Mikkelsen) ein schillerndes Fieslingsquartett, das teilweise noch gegeneinander intrigiert. Chrsitoph Waltz (Richelieu) schaukelt das Kind mal wieder im Hans-Landa-Modus (Inglourious Basterds), Orlando Bloom hat sichtlich Spaß daran mal nicht den ehrenhaften Schönling spielen zu müssen, Mads Mikkelsen ist goldig als Schurke und auch Milla Jovovich kann fast mit ihren drei Fieslingskollegen mithalten.

Als kurzweilige Abendunterhaltung zum Abschalten ist Andersons Film durchaus geeignet.
5,5 von 10 Punkten